Kernaussage: Europäische Prediction Markets befinden sich in einem regulatorischen Übergangsstadium. Mit der MiCA-Verordnung hat die EU erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen geschaffen, allerdings verfügt bislang kein bedeutender Marktplatz über eine gültige EU-weite Lizenz. Die Rechtslage divergiert erheblich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wer in Europa auf Prediction Markets setzen möchte, navigiert durch ein zersplittertes Regelwerk. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die gegenwärtige Rechtsposition in Europas Hauptmärkten — aktualisiert im Mai 2026.
EU-Ebene: MiCA-Verordnung
Seit Dezember 2024 ist die Markets in Crypto-Assets (MiCA) Verordnung vollständig gültig. Sie erfasst Prediction Markets, die auf Krypto-Token basieren:
- Betreiber müssen sich als Crypto-Asset Service Provider (CASP) zertifizieren lassen
- Kundenschutz, Geldwäschebekämpfung/Kundenidentifikation sowie Kapitalausstattung sind verpflichtend
- Zuständig sind die jeweiligen nationalen Finanzaufseher (BaFin in Deutschland, FMA in Österreich)
Bis dato hat noch kein führender Prediction-Market-Betreiber eine vollständige MiCA-Zulassung erhalten. Mehrere Genehmigungsverfahren sind jedoch in Frankreich und Deutschland anhängig.
Deutschland
Deutschland präsentiert sich als besonders schwierig, da zwei unterschiedliche Aufsichtsregime gleichzeitig greifen könnten:
- Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) — sollten Prediction Markets als Glücksspiel klassifiziert werden, ist eine deutsche Glücksspiellizenz erforderlich. Kein internationaler Marktplatz für Vorhersagen verfügt über eine solche Genehmigung
- Finanzaufsichtsrecht (BaFin) — falls die Märkte als Finanzprodukte behandelt werden, greifen das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und die BaFin-Erlaubnispflicht
Für eine umfassende Betrachtung der deutschen Rechtslage verweisen wir auf unseren Beitrag Polymarket in Deutschland.
Österreich
Österreich orientiert sich im Wesentlichen an den EU-Vorgaben. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat Prediction Markets bislang nicht ausdrücklich geregelt. Das österreichische Glücksspielgesetz (GSpG) könnte indessen Anwendung finden, falls Prediction Markets als Glücksspiel klassifiziert werden.
Schweiz
Als Nicht-EU-Staat unterliegt die Schweiz nicht der MiCA-Verordnung. Die FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht) hat ein DeFi-freundliches Regelwerk etabliert, das Prediction Markets möglicherweise als neuartige Finanzdienstleistungen einstufen könnte. Das Schweizer Geldspielgesetz (BGS) aus 2019 sieht strenge Vorgaben für Online-Glücksspiel vor, enthält aber Ausnahmeregelungen für bestimmte Finanzprodukte.
Ländervergleich
| Land | Status | Regulierer | Steuerpflicht |
| Deutschland | Grauzone | BaFin / GlüStV | Ja (§ 22/23 EStG) |
| Österreich | Grauzone | FMA / GSpG | Ja (KESt 27,5%) |
| Schweiz | Tendenziell erlaubt | FINMA / ESBK | Kantonal verschieden |
| Frankreich | Eingeschränkt | ANJ / AMF | Ja (flat tax 30%) |
| Niederlande | Grauzone | KSA / AFM | Ja (Box 3) |
Ausblick
Die europäische Regulierung wird sich in absehbarer Zeit weiter präzisieren. Für aktive Marktteilnehmer gilt: Erträge sorgfältig erfassen, mit einem Steuerexperten Rücksprache halten und ausschließlich auf genehmigten Plattformen tätig werden. Weitere Informationen zur steuerlichen Situation in Deutschland bietet unser Steuer-Ratgeber.